In den letzten Jahren habe ich mich mit den Regeln zur Anbauplanung beschäftigt. Die Theorie ist einleuchtend und kompliziert ist es eigentlich auch nicht. Nur die Umsetzung Jahr für Jahr ist in der Praxis, also im eigenen Garten, schwierig. Dieses Jahr hatte ich erst gar keine Lust überhaupt eine Anbauplanung zu machen. Als ich mich dann doch dazu überwunden habe, habe ich gemerkt warum. Es ist bei mir einfach nicht möglich all die Regeln, die man zum Jahresanfang zu Mischkultur, Furchtwechsel und Co. liest und hört, umzusetzen. Theorie und Praxis sind doch ein himmelweiter Unterschied. Also habe ich mir überlegt, was für mich der Kern dieser Prinzipien ist, denn ihren Nutzen haben sie schon.
Anbauplanung mit Mischkultur
Der Kern der Mischkultur ist für mich die Vielfalt. Diese stellt sich in einem „kleinen“ Hausgarten eigentlich von selbst ein, wenn man sich abwechslungsreich ernähren möchte. Außerdem isst das Auge mit und so dürfen auch Blumen und Kräuter nicht fehlen. Das war auch bereits Teil meines Fazits nach einem Jahr Mischkultur.


Auf eine Mischkulturtabelle schaue ich bei der Anbauplanung eigentlich gar nicht mehr. Für mich ist es wichtig, dass die Wuchsformen irgendwie zueinander passen und alles genug Licht hat. Die einzigen unpassenden Partner, die ich mir gemerkt habe: Zwiebelgewächse passen nicht zu Leguminosen (Bohnen und Co.). Warum genau diese Kombi, kann ich nicht sagen – vielleicht weil sie bei mir recht einfach zu beachten ist.
Heute habe ich durch die März-Ausgabe der Zeitschrift „Kraut & Rüben“ geblättert und es gab auch einen Artikel zum Thema Mischkultur. Dem ich voll zustimmen kann:
- Erfolgsfaktor Nr.1 für eine reiche Gemüseernte sind Bodenpflege, Wasserversorgung und Aufmerksamkeit.
- Eine bunte Mischung (statt Monokultur) ist schon ausreichend, man muss nicht zwingend auf gute Pflanzennachbarschaften achten.
- Kräuter und Blumen (z.B. Ringelblumen, Tagetes, Basilikum) sind gut für die Bodengesundheit.
- Jedes Gemüse muss ausreichend Platz haben, um sich gut entfalten zu können.
Anbauplanung mit Fruchtwechsel
Als ich mich vor ein paar Jahren mit dem Thema Fruchtwechsel beschäftigt habe, habe ich bereits gemerkt, dass es schwierig wird, sich an alle Regeln zu halten. Vor allem, wenn ein Beet über mehrere Jahre verschiedene Kulturen sehen soll. Trotzdem möchte man es irgendwie berücksichtigen. Aber es geht einfach nicht:
- Tomaten und Gurken gehören ins Gewächshaus oder in den überdachten Bereich. Etwas anderes funktioniert bei mir im Sommer im Gewächshaus auch nicht. Zum Glück benötigen Tomaten keinen Fruchtwechsel und die Gurken können immerhin über drei Jahre hinweg an verschiedenen Stellen im Gewächshaus wachsen. Alles sind Starkzehrer und ich muss den fehlenden Fruchtwechsel durch ausreichend Düngung ausgleichen. Außerdem Pflanze ich jedes Jahr Blumen und Kräuter zwischen die Tomaten, was sich positiv auf die Bodengesundheit auswirken soll.
- Die nächste Problemfamilie sind Zucchini und Kürbisse. Sie brauchen alle über 1 m² Platz und ich möchte insgesamt mindestens fünf Pflanzen dieser Riesengewächse. Ich will sie nicht im Hochbeet haben, das ist für mich Platzverschwendung. Und einen Schneckenzaun brauchen sie bei uns auch nicht. Am besten funktionieren diese beiden Kulturen i.d.R. in der Sonnenfalle. Kleinere zarte Pflanzen funktionieren in der Sonnenfalle nicht wegen Schnecken und Mäusen.
Was bedeutet das für den Fruchtwechsel? In den Sonnenfallen gibt es quasi keinen. Ich versuche nur die Pflanzen mal mehr vorne, mal mehr hinten zu pflanzen. Den Rest fülle ich mit Blumen auf, bzw. selbst ausgesamte Pflanzen dürfen stehen bleiben (z.B. Königskerzen und Löwenmäulchen) - Der Dritte Punkt ist die Pflanzenhöhe. Stangenbohnen müssen immer im nördlichen Ende stehen. Der hohe Grünkohl und Rosenkohl sollte nördlicher stehen, als zum Beispiel niedrige wachsende Pflanzen wie rote Beete. An manche Stellen möchte ich aus optischen Gründen einfach höhere oder größere Pflanzen.

Es gibt aber auch Stellen da klappt der Fruchtwechsel echt gut. Die einzelnen Pflanzen benötigen nicht so viel Platz und ich habe genug Beetfläche zum Rotieren: z.B. Kohl, Zwiebeln, rote Beete, Fenchel, Salat, Sellerie.
Meine Einstellung zum Fruchtwechsel: Mit Vielfalt im Gemüsebeet ergibt sich ein Fruchtwechsel irgendwie von selbst. Es werden durch die Mischkultur in meinem Garten nicht viele viele Quadratmeter ausnahmslos von einer Pflanzenart belegt und der Boden somit auch nicht einseitig belastet. Deshalb ist es für mich mittlerweile eher zweitrangig den Fruchtwechsel bei der Anbauplanung zu beachten.
Anbauplanung mit Fruchtfolge
Durch die Fruchtfolge habe ich eines gelernt: Es gibt nicht eine Wachstumsperiode vor den Eisheiligen Mitte Mai und eine danach. Der Kulturenwechsel kann auch erst Ende Juni erfolgen. So habe ich über das letzte Jahr verteilt vom Gefühl her mehr und vielfältiger Ernten können:


Kulturen, die sich für eine doppelte Beetnutzung letztes Jahr bewährt haben, sind:
- früh im Jahr Kohlrabi und dann erst ab Anfang Juni vorgezogene grüne Bohnen.
- Zuckerschoten und ab Juli Endiviensalat. (Bei uns muss man Endiviensalat früh genug pflanzen, sonst wird er nichts mehr)
- Dieses Jahr möchte ich Wintersteckzwiebeln und dann Rosenkohl, sowie Kohlrabi und dann Winterlauch probieren.
Die versetzte Aussaat, die von vielen anderen Garten-Bloggern oft angepriesen wird, um von einer Gemüsesorte über einen möglichst langen Zeitraum ernten zu können, klappt bei mir nicht. Ich habe einfach keine Zeit, alle zwei Wochen z.B. neuen Salat zu säen – und um die Pflanzen kümmern muss ich mich ja auch noch. Ich bekomme meine Beetfläche auch so bestellt. Außerdem finde ich es gut, wenn man nicht das ganze Jahr über das Gleiche erntet.
Anbauplanung optimiert
Ich versuche jedes Jahr meine Anbauplanung zu optimieren. Was gut geklappt hat, möchte ich wieder so machen – was nicht geklappt hat versuche ich anders nochmal (wenn es mir wichtig ist). Es gibt Gemüse/ Obst, das habe ich tatsächlich aus meinem Garten verbannt (z.B. Eissalat, Zuckermais und Erdbeeren im großen Stil) und ich habe auch kein Problem damit. Bei anderem Gemüse (v.a. Paprika und Karotten) sieht das anders aus. Der Erfolg hält sich immer in Grenzen, aber ich möchte einfach, dass es klappt. Letztes Jahr hatte ich ein paar wenige richtig dicke Möhren – genug Anreiz um weiter zu machen.
Für die Kohlrabi habe ich mich letztes Jahr richtig eingesetzt: Viel Platz, regelmäßig gießen und ich wurde nach zwei Jahren mit wenig Kohlrabi, mit insgesamt über 10kg belohnt. Für nächstes Jahr habe ich mir den Spinat vorgenommen. Der hat zwei Jahre total easy geklappt und die letzten beiden Jahre wieder nicht.

Einen Aspekt bei der Anbauplanung, den ich oft höre und dem ich nicht zustimme: „Nächstes Jahr baue nur noch das an, was mir auch wirklich schmeckt.“ Ich schaue eher was einfach funktioniert und dann finde ich (bis auf wenige Ausnahmen) eine Möglichkeit das Gemüse so zuzubereiten, dass es schmeckt. Abwechslung und Vielfalt! Radieschen sind als knackige Rohkost nicht dein Fall? Dann probiere sie mal gedünstet mit frischem Schnittlauch als Gemüse. Asiasalat ist zu scharf? Als Raviolifüllung macht er sich echt gut.
Versuche 2026
- Letztes Jahr habe ich mir vorgenommen darauf zu achten, nicht mehr zu viel Saatgut zu kaufen, so dass ich es innerhalb der Saatguthaltbarkeit aufbrauchen kann. So wirklich schaffe ich es nicht, diesen Vorsatz einzuhalten. Es kamen zwei neue Möhrensorten dazu (vielleicht hätte auch eine gereicht). Ich möchte einen Zichoriensalat zum Pflücken ausprobieren (Sorte: Rossa Italia) als Alternative zum Radicchio und Neuseeländerspinat als Spinatersatz im Sommer. Außerdem gibt es dieses Jahr doch wieder viele verschiedene Tomatensorten. Vielfalt im Garten macht süchtig.
- Letztes Jahr lag mein Fokus auf Kohlrabi. Dieses Jahr bekommt der Winterlauch ein kleines Rahmenbeet für sich, so dass er nicht überwuchert werden kann.
- Eine Bekannte hat mir empfohlen einen Würfel frische Backhefe in jedes Pflanzloch für Tomaten zu geben. Die Tomaten haben dann von Anfang an warme Füße, weil die Mikroorganismen das Bodenleben aktivieren und somit Wärme erzeugen. Zusätzlich probiere ich statt Hefe noch den Effekt von einem Löffel Sauerteig.
- Ich habe dieses Jahr zum ersten Mal versucht Paprika zu überwintern. Eine von dreien scheint noch zu Leben. Ich bin mal gespannt ob ich zumindest mit einer Pflanze früher in die Paprika-Ernte-Saison starten kann.
- Zwischen zwei Obstbäumen habe ich bereits letztes Jahr angefangen ein Gemüsebeet anzulegen. Nach dem Prinzip des Waldgartens kann man so den Platz ausnutzen und auf mehreren Ebenen ernten. Ob das wirklich funktioniert, möchte ich herausfinden. Wie alle Pflanzen unter den Bäumen dauerhaft genügend Licht und Nährstoffe bekommen ist mir noch ein Rätsel. Solange die Obstbäume klein sind und kaum Schatten auf das Beet werfen klappt es bestimmt, aber was ist in ein paar Jahren? Ich werde euch auf dem Laufenden halten.
Was möchtet ihr dieses Jahr ausprobieren?
